Rezensionen Auf Deutsch
Wilkommen unser Deutsche rezensionen, entschuligen sie unser schlechte Deustch. Wir hoffen endlich viele rezensionen unser andere CDS zu haben, aber jetzt hier sind die berichten unser neue CD "Not As Good As The Book "
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Gerade so, als hätten die legitimen Erben von Genesis, Caravan, Van der Graaf und Supertramp beschlossen, der Welt zu zeigen, dass Bildungsbürgermucke Feuer im Hintern haben kann. www.nocturnalhall.de Ganze rezension HIER In Punkten: CD 1 – 7,5 / CD 2: 9 macht Summa Summarum 8,25 |
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progressiv, breit instrumentiert, melodiös, rockig, ruhig, jazzig, verspielt, verträumt, mal bombastisch, mal einfach und immer voller Visionen. Thoralf Koss fur musikreviews.de Ganze rezension HIER Wertung: 13 von 15 Punkten |
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Mir hat sich die Band damit völlig neu erschlossen. Sie wandelt varianten- und ideenreich, aber stets mit einem starken Bewusstsein für den Song an sich, in ihrer eigenen musikalischen Welt. Das erste Prog-Highlight des noch jungen Jahres! Ganze rezension HIER Wertung: 9 von 10 Punkten |
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Puuh, schwere Musik liefern uns The Tangent einmal mehr. Die Doppel-CD "Not as good as the book" präsentiert einen schwierigen Highway, der an den Dörfern Pink Floyd, Allan Holdsworth, Frank Zappa, Genesis und Jethro Tull vorbeirast ohne einen Zwischenstopp zu bieten. Wenn man sich auf die rasante Fahrt durch Jazz, Rock und Folk gewöhnt hat und am Ziel angekommen ist, möchte man allerdings gleich erneut losfahren. Keyboarder und Sänger Andy Tillison schafft es mit seiner Formation die Siebziger mit den 2000ern zu vermischen ohne, dass es allzu bemüht und angestrengt wirkt. Gesungen wird dabei über reale Dinge, Orcs und Co sucht man bei diesen Prog-Musiker (zum Glück) vergeblich. Dass dieses Proggeschenk in einer grandiosen Special Edition erscheint, nämlich mit einem 100seitigen Booklet und einer sehenswert illustrierten Kurzgeschichte, macht es zu einem der erste Diamanten des Musikjahres - wenn sich auch die Zugänglichkeit erst nach mehrmaligem Durchhören einstellt. Stil: Prog/Jazz/Rock Fazit: Ein Juwel - nach dem dritten Hören 6/6 http://www.rocknroll-reporter.de
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Thoralf Koss fur musikreviews.de
The Tangent - Not As Good As The Book NACHSTE
Darauf habe ich schon lange gewartet, es mir gewünscht, es herbeigesehnt – doch nie so recht daran geglaubt, dass wir im Zeitalter des schnellen Kicks, der oberflächlichen Wahrnehmung und der kulturellen Verschleuderung von Werten, deren einziger Sinn noch unterm profitablen Blickwinkel der Vermarktung von kulturellen Wegwerfprodukten besteht, plötzlich irgend so ein „Spinner“ daher kommt, um den ganzen Scheiß nicht mitzumachen. So als würden Asterix und Obelix auf die kapitalistische Marktwirtschaft treffen und mit Hilfe ihres (moralisch-kulturellen) Zaubertranks gehörig ihre Fäuste unter all den profitgeilen Groß- und Kleinkapitalisten fliegen lassen, um zumindest ihr eines Kleinkunstwerk verwirklichen zu können. Und glücklicherweise stehen sie am Ende nicht wie Don Quichotte da, der sich im Kampf gegen die Windmühlenflügel aufgerieben hat, sondern sie halten „Not As Good As A Book“ in der Hand.
Stellen wir uns einmal folgendes vor: Ein Musiker, ein Schriftsteller, ein Lyriker und ein Maler, dessen ganz besondere Stärke im Zeichnen von Comics liegt, bilden eine Wohngemeinschaft und beschließen eines Tages, alle miteinander ins Bett zu gehen. Dabei toben sie sich so richtig aus und jeder versucht, genau wie im wahren Leben, sein Bestes zu geben, was ihm auch durchaus gelingt. Und aus diesem intellektuellen – nein, nein, nicht sexuellen – Höhepunkt entsteht ein Kind, das ein wenig so aussieht wie JOHN LENNON, aber nicht so klingt, aber trotzdem dessen Genialität in sich trägt. Denn es ist in der Lage, die unterschiedlichsten Kunstformen in sich zu vereinen – eine spannende Novelle mit futuristischen Elementen, die sich in erster Linie auf eine „bessere musikalische“ Vergangenheit beziehen, viel Lyrik, die zusätzlich zur Vertonung der Novelle dient, comichafte Illustrationen, die auf wundervoll ansehnliche Weise der Geschichte ein einzigartiges Bild verleihen und am Ende Musik, die vielfältiger kaum klingen kann: progressiv, breit instrumentiert, melodiös, rockig, ruhig, jazzig, verspielt, verträumt, mal bombastisch, mal einfach und immer voller Visionen.
Genau so ein Kind wünscht man sich, auch wenn es manchmal schreit oder bockig ist. Es schielt aber nie nach dem größeren und bunteren Schnuller des Kindes, das neben ihm im Kinderwagen liegt, weil es genau weiß, dass dieser so toll aussehende Schnuller, den sich fast alle Kinder wünschen (und leider auch bekommen), am Ende nur einen Zweck erfüllt – er bringt nämlich denjenigen, der ihn sich in den Mund steckt, dazu, dass er verstummt, indem er nuckelnd sabbert, ohne jemals seine Stimme zu erheben.
Das „andere“ Kind, von dem ich gerade schrieb, hat natürlich auch einen Namen. Es heißt THE TANGENT und der geistige Vater hört auf den bürgerlichen Namen ANDY TILLISON. Dieser wiederum erzählt uns eine Geschichte von diesem seltsamen Typen mit John-Lennon-Brille, der versucht, mit Musik aus der Vergangenheit die verkommene Welt der Zukunft zu retten. Natürlich treffen all diejenigen von uns, die sich leidenschaftlich mit progressiver Rockmusik beschäftigen, die großen Prog-Dinosaurier wieder genauso wie versteckte Musikjuwelen, die neueren Datums sind oder die man unverzeihlicher Weise bisher übersehen hat, wie z.B. NATIONAL HEALTH (Zitat: „… and the first album by National Health, possibly the most ingenious writers of instrumental music never to be heard of.“).
Passender Weise wird in dieser Geschichte eigentlich nichts Anderes beschrieben als das, was TANGENT sich in ihren ersten drei Alben (2003: The Music That Died Alone / 2004: The World That We Drive / 2006: A Place In The Queue) auf die Fahnen geschrieben hatten: die musikalische Wiederbelebung des progressiven Rocks der 70er Jahre, von GENTLE GIANT über KING CRIMSON bis PINK FLOYD, YES, VAN DER GRAAF GENERATOR und GENESIS (Diese Aufzählung ließe sich noch beliebig fortsetzen!). Allerdings mit einem entscheidenden Unterschied, den TILLISON auf den Punkt bringt: „Wir singen nicht über die üblichen Prog-Themen, es gibt bei uns keine Hobbits, Orcs oder unterirdische Welten. Wir haben schon immer über reale Dinge gesungen und versucht, progressive Musik als etwas zu etablieren, was für das Leben in der heutigen Zeit von Belang ist. Dieser Umstand beschreibt mehr als alles andere The Tangent.“
Ein herrliches Zitat und zugleich verbaler Arschtritt in den Hintern von solchen Kritikern, die selbstverliebt und wichtigtuerisch behaupten, im Prog-Rock zählte nur die Musik und die Texte wären Nebensache. Eine beeindruckende Vorstellung – demnach könnten wir ja demnächst die Musik von YES’ „Relayer“ mit dem Text „Brother, Brother Louie“ von MODERN TALKING kombinieren. Also, wer der Meinung ist, dass es auf Texte nicht ankommt, der sollte lieber zu einem anderen Album greifen und sich als Kritiker definitiv solche Weisheiten verkneifen, denn es ist die Komplexität von Musik, Text & malerische Gestaltung, die dieses außergewöhnliche Album auszeichnet.
Damit ist klar, dass uns mit „Not As Good As The Book“ ein rundum farbenfrohes Kunstereignis erwartet, das bereits auf „A Crisis In Mid Life” andeutet, in welche vielfältigen Richtungen die musikalische Reise geht: symphonischer Rock ist der Motor, gute Melodien samt leidenschaftlichem Gesang das Benzin, und die vier Räder rollen auf unterschiedlichen Reifen, nennen wir sie einfach mal Canterbury, Retro-Prog, Jazz und Hard-Rock. Und dieses Auto legt sich ständig in die Kurven, mal scharf, mal zart, mal elegant, mal kantig. Auch was da so alles aus dem Auspuff geblasen wird ist schwer beeindruckend und garantiert keine musikalische Umweltverpestung: Saxofone, Flöten, jede Menge akustisches Instrumentarium und natürlich alles, was die progressive Rockmusik so richtig fett und bombastisch macht. Wenn so die Midlife-Crisis aussieht, dann freue ich mich mit meinen (gerade noch) 43 Jahren schon gehörig darauf.
Wer bereits die ersten drei Studioalben der Band, die sich durch viele personelle Besetzungswechsel auszeichnete, kennt, wird diesmal feststellen, dass Album Nummer 4 neben Altbewährtem auch sehr viel Neues zu bieten hat. Personell wäre da als erstes JAKKO M JAKSZYK zu nennen, der sich bereits bei den ehemaligen KING CRIMSON ohne FRIPP, die unter dem Bandnamen 21st CENTURY SCHIZOID BAND CDs veröffentlichen und durch die Weltgeschichte touren, seine Lorbeeren verdiente, indem er gleich die Stelle des fehlenden FRIPPs sowie die von GREG LAKE und JOHN WETTON bravourös durch seine Gitarrenarbeit und seinen Gesang ausfüllte. Doch statt hier Retrocrimsoneskes (Ist das nicht ein schöner Neologismus?) ins TANGENT-Konzept einfließen zu lassen, passt er sich mit all seinem Können TILLISONs Konzept an und bereichert es.
Während CD 1 durchaus dort anknüpft, wo die vorangegangenen drei Alben aufhörten – am ausgezeichneten Prog-Rock der 70er Jahre – überrascht die 2. CD durch eine neue Richtung, die bisher so auffällig nicht war. Irgendwie hat sich doch tatsächlich der Herr WATERS ins TANGENT-Universum eingeschlichen und die Musik erinnert nicht nur an gute alte PINK FLOYD Zeiten, sondern auch ganz besonders an ein Waters-Solo-Werk, das kaum jemandem bekannt ist, aber aus meiner Sicht seine beste Solo-Leistung darstellt: die Filmmusik zu „When The Wind Blows“, die er als ROGER WATERS AND THE BLEEDING HEART BAND aufnahm und die die komplette B-Seite dieses Soundtracks füllt. Ein Zeichentrickfilm, der in seiner Tiefe und Darstellung so bewegend wie schockierend ist, da er das Leben zweier älterer, unglaublich lieber und leider total naiver Menschen nach dem Abwurf der Atombombe darstellt, die am Ende jämmerlich krepieren.
Und irgendwie schließt sich in diesem Moment auch der Kreis zu „Not As Good As The Book“.
FAZIT: Großes Kompliment an den Verfasser des Promo-Zettels, denn besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können, darum hier der Originalwortlaut: „Mit ihrem vierten Werk gehen THE TANGENT noch einen Schritt weiter. TILLISON: ‚Obwohl unser neues Album seine Wurzeln in der gleichen Tradition hat, besitzt es eine größere Palette an Sounds und Stilen … Die Scheibe klingt lebendiger als die Vorgänger, und ich denke, dass sie mehr rockt als die anderen drei.’“ Recht hat er!
Kleiner Zusatz meinerseits: Bei einem Doppelalbum hätten aber durchaus etwas mehr als die insgesamt 90 Minuten herausspringen können.
Thoralf Koß
SEBASTIAN MACK fur METAL1.info
The Tangent - Not as Good As The Book NACHSTE VORGEHEND
Zwei Jahre nach dem letzten Album „A Place In The Queue“ geht es für die Retroprogger THE TANGENT in die mittlerweile vierte Runde: Ihr neues Album „Not As Good As The Book“ ist gar ein Doppeldecker mit über 100 Minuten Spielzeit geworden und beruht auf einer gleichnamigen Kurzgeschichte, die Bandchef Andy Tillison geschrieben hat. Diese gibt es in der Special Edition dann auch gleich dazu.
Nun sind THE TANGENT seit ihrem Debüt „The Music That Died Alone“ vor fünf Jahren (damals noch mit „Flower King“ Roine Stolt an der Gitarre) ja so etwas wie die letzte Supergroup des Retroprogs, Transatlantic sind schließlich nicht mehr und Kino bewegen sich in deutlich melodischeren Bereichen. Folgerichtig sind bisher alle Werke von Tillison & Co. hervorragend von der Szene aufgenommen worden. Spieltechnisch sind die Jungs zweifelsohne eine Bank, einzig das Songwriting empfand ich auf den vergangenen Alben zu verspielt, zu dröge, zu mathematisch. Das waren zwar sicherlich musiktheoretisch Progsongs nach Maß, doch emotional konnte mich die Band nur selten packen, schwierige Gesangsmelodien und die nicht gerade überdurchschnittlichen Gesangsleistungen der Beteiligten taten ihr Übriges. Kurz gesagt fand ich die Musik zwar gut, doch es fehlte das kleine Extra, was sie für längere Zeit interessant und hörbar macht, was sie über die Summe ihrer zweifelsohne guten Teile hebt.
Doch genug der Einleitung, denn „Not As Good As The Book“ steht auf dem Programm. Oberflächlich betrachtet gibt es hier zunächst mal die übliche THE TANGENT-Kost: Retroprog in Perfektion, symphonisch ausladend, jazzig und mit deutlicher Canterbury-Schlagseite. Doch irgendwie ist dieses Mal etwas anders. Chef Andy Tillison beschreibt es so: „Die Scheibe klingt lebendiger als die Vorgänger, und ich denke, dass sie mehr rockt als die anderen drei. Diesmal haben wir uns nicht selbst auf irgendwelche Formeln begrenzt. Nachdem die grundsätzlichen Wurzeln von THE TANGENT etabliert sind, ist es die generelle Idee, sie weiter zu entwickeln und etwas anderes auszuprobieren.“
Typisches Promogelaber? Ja, klar! Dennoch ist genau diese Tatsache der Grund dafür, dass THE TANGENT plötzlich Spaß machen, teilweise gar locker flockig unterhalten. Hier wird natürlich kein Spock's Beard-Spaßniveau erreicht, aber wer die Vorgänger der Tangente kennt, wird den Unterschied sofort merken: Da wären zum Beispiel die 80er-Jahre „Final Countdown“-Keyboards im Opener „A Crisis In Mid Life“, der auf dem Album stilistisch eine völlige Ausnahmestellung einnimmt. Wenn dann beim kurzen Instrumental „Celebrity Purée“ Jethro Tull nicht weit sind und es mit schön viel Hammond und leichter DoubleBass groovt und progt, dann weiß man, THE TANGENT haben die Handbremse gelöst. Der Hauptteil des Materials spielt sich dennoch im Midtempo ab, es gibt viele epische Parts und tolle Instrumentalausflüge, ein Highlight ist hier wieder Theo Travis an Saxophon und Flöte, die – hört her – dieses Mal kein einziges Mal nerven. Keyboards gibt es natürlich auch zu Genüge und die rockigere Grundausrichtung des Materials macht klar, dass Gitarrist Jakko M Jakszyk nun voll in die Band integriert ist. Der Gesang wird hauptsächlich von Andy Tillison übernommen und ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Hier hilft wohl nur Reinhören, dann weiß man sicher, ob man mit der leicht seuseligen, nuscheligen Stimme klar kommt. Insgesamt kommt das neue Material deutlich melodischer und auch reduzierter, sprich strukturell einfacher daher. Die Songs sind nicht mehr so vollgestopft, haben einen schlüssigeren Spannungsbogen und sind schon nach kurzer Zeit nachvollziehbar.
Vom Aufbau her ist „Not As Good As The Book“ eindeutig zweigeteit: Auf CD1 befinden sich die kürzeren Nummern (zwischen drei bis zehn Minuten), auf Seite zwei hat man hingegen zwei über 20-minütige Longtracks platziert. Stilistisch gehören die beiden Scheiben aber sicherlich zusammen, hier gibt es keine großen Unterschiede auszumachen, bis auf die Tatsache, dass in den Longtracks eben mehr Zeit für Instrumentalparts bleibt. Als Anspieltipps empfehle ich den Titeltrack und „Lost In London Twenty Five Years Later“.
Das vierte Album von THE TANGENT ist ein Mammutwerk geworden, das überzeugen kann. Der Weggang von Roine Stolt nach „The World That We Drive Through“ hat den Jungs nur gut getan und das Ergebnis kann sich hier erstmalig voll entfalten. Alle, die ihren Retroprog stilsicher wollen und auf perfekte Arrangements (und auch manchmal leicht seltsame Keyboardsounds, die aber gerade das Salz in der Suppe sind) stehen, sollten sich diesen Doppeldecker auf ihrem Einkaufszettel notieren. Mir hat sich die Band damit völlig neu erschlossen. Sie wandelt varianten- und ideenreich, aber stets mit einem starken Bewusstsein für den Song an sich, in ihrer eigenen musikalischen Welt. Das erste Prog-Highlight des noch jungen Jahres!
Bewertung: 9/10
Redakteur: Sebastian Mack

The Tangent - Not As Good As The Book
VON nocturnalhall.de NACHSTE VORGEHEND
The Tangent - Not As Good As The Book
VON BIZARRE-RADIO.DE NACHSTE VORGEHEND
Auf ihrem mittlerweile vierten Studio-Output merkt man, dass The Tangent vom "internationalen Progressive-Rock Supergroup Side-Project" zu einer richtigen Band zusammengewachsen sind. Derzeit besteht das Line-Up aus Sänger und Keyboarder Andy Tillison Diskdrive (Parallel or 90 Degrees), Bassist Jonas Reingold (The Flower Kings), Drummer Jaime Salazar (ex-Flower Kings), Gitarrist Jakko Jakszyk (21st Century Schizoid Band), Saxophonist/Flötist Theo Travis (Soft Machine Legacy) und Multi-Instrumentalist/Sänger Guy Manning (u. a. Parallel or 90 Degrees). Das Album Not As Good As The Book kommt als Doppel-CD daher, welche auch als limitierte Special-Edition inklusive einem Buch mit einer Kurzgeschichte geschrieben von Andy Tillison, mit Illustrationen von Antoine Ettori, veröffentlicht wird. In jenem Buch wird die "Story" der Songs auf den CD's erzählt, allerdings aus einem anderem Blickwinkel. Nähere Infos zum Buch findet man auf der offiziellen Website von The Tangent. Doch nun zur Musik: CD 1 (welche den bedeutungsschwangeren Untertitel Crisis In Midlife trägt) kommt mit 7 Songs, welche sich zwischen 6 und 10 Minuten Länge bewegen. CD 2 hingegen hat nur 2 Songs, die allerdings jeweils 20 Minuten aufweisen. Der Opener der ersten CD A Crisis in Mid Life ist ein schönes Mid-Tempo Stück, das schlichtweg gute Laune verbreitet, und Lust auf mehr macht. Danach geht es weitgehend ruhiger und nachdenklicher, aber manchmal auch mit augenzwinkerndem Humor weiter. Teilweise abgedreht jazzig (Celebrity Purée), dann wieder gradlinig (Not As Good As The Book), bedrohlich und unheimlich (Beginn von A Sale Of Two Souls). Auf CD 2 (Titel: Throwing Metal At The Sky) wollen Andy und die Jungs es aber wissen: 2 hochkarätige, epische Werke von jeweils 22 Minuten Länge.
Hier ist genaues Zuhören gefragt, zu häufig wechseln Tempi und Rhythmen und Musikstile. Four Egos, One War ist ein niemals veröffentlichtes Parallel or 90 Degrees Stück, welches nun umarrangiert und endlich veröffentlicht wurde. The Full Gamut schließlich beendet die zweite CD. Trotz des möglicherweise irreführenden Untertitels Throwing Metal At The Sky, ist auch die zweite CD nichts für den gestandenen Metaller. Dazu sind The Tangent sicherlich zu weich. Für jeden, der Keyboard-lastigen, teilweise über den Tellerrand der Stilrichtungen blinzelnden Rock mag, sollte mal ein Ohr riskieren, zumal A Crisis in Mid Life als voller Song auf der offiziellen Website per YouTube angehört werden kann. Prog-Fans finden Einflüsse aus der "guten alten Prog-Zeit": Frühe Yes, Genesis, Van der Graaf Generator, King Crimson, Marillion (Fish-Ära)... all das tummelt sich auf den CD's, ohne das es sich aufdrängt - The Tangent haben (endlich) ihren eigenen Stil gefunden.
Alles in allem ist Not As Good As The Book ein ruhiges Album, das zeitweise dennoch ein bißchen Schrägheit und Hektik
aufweist. Reinhören!
The Tangent - Not As Good As The Book
MUSIKZIRKUS-MAGAZIN.DE NACHSTE VORGEHENDNot As Good As The Book“ nennt sich das nunmehr vierte Studioalbum von The Tangent, das am 29.02.2008 erscheint.
Herausgekommen ist ein doppelalbum mit einer Spielzeit von etwas mehr als anderthalb Stunden. Mastermind Andy
Tillison (Gesang und Keyboards) hat mit Jakko M Jakszyk einen neuen Mann an den Saiten in sein Projekt geholt. Jakko ist
ein versierter Gastmusiker, der bereits als Gitarrist mit Künstlern wie Level 42, Robert Fripp oder Gavin Harrison
zusammengearbeitet hat. Neben diesem Neuzugang sind aber als feste Konstanten Jonas Reingold (Bass), Guy Manning
(Akustische Instrumente und Stimme), Theo Travis (Saxophon und Flöte) sowie Jaime Salazar (Schlagzeug) geblieben.
Während die sieben Songs der ersten CD es auf Laufzeiten zwischen 3:43 und 10:13 Minuten bringen, sind der zweiten CD
die Longtracks vorbehalten, denn auf ihr befinden sich lediglich zwei Stücke, die es jeweils auf mehr als 21 Minuten
bringen. Die Musik der bisherigen Alben von The Tangent besticht durch ihre vielfältige und faszinierende Mischung aus
Stilen wie Elektronik, Prog-Rock, Krautrock, Jazz und Klassikrock. Dabei hat man das Gefühl, als seien die Musiker von
beliebten Bands aus Vergangenheit zu einem Orchester zusammengetreten um ihre besten Eigenschaften miteinander u
vereinen. Und dieses Feeling hat auch das neue Album von The Tangent Das eröffnende „A Crisis In Mid Life“ klingt
anfangs wie Elektronikmusik von Jean Michel Jarre mit einer Portion mehr Rhythmus, doch dann erklingt eine
unwiderstehliche Passage, die Melodic-Rock pur ist. Doch sobald Andy’s Gesang zu hören ist, hat man wieder dieses
typische Tangent-Feeling. Allerdings wird hier deutlich, dass die Band, ohne sich selbst zu verleugnen, weitere Sounds und
Stile in ihre Musik integriert hat. Durch den Einsatz der Flöte bewegt sich der zweite Track „Lost In London (25 Years
Later)“ streckenweise im Fahrwasser von Jethro Tull. Dieses mehr als siebenminütige Stück wandelt - wie auch die
anderen Songs - zwischen den Welten. Neben Folk und Prog ist in ihm auch eine Portion Jazz und Canterbury zu finden.
Das mehr als zehnminütige „The Ethernet“ beginnt mit recht ungewöhnlichen Synthiesounds und hat etwas hypnotisches,
obwohl ich bei diesem Song Andy’s Stimme etwas störend empfinde. Der Song vermittelt mir zunächst irgendwie die
Assoziation einer leeren und kalten Szene in einem Armenviertel einer Großstadt (ohne den Text zu berücksichtigen).
Irgendwie zieht einen der Sound in den Song hinein. Dieser klingt in der Tat frischer und nicht so retromäßig - trotz der
Hammondorgel - wie so manch andere Sachen der Band. An der ein oder anderen Stelle blitzt dann aber doch etwas
floydiges aus dem Song hervor, aber nur ganz leicht. „Celebrity Purée“ mit seinen gerade mal 3:43 Minuten Spielzeit weist
eine ganze Meng an Sounds auf, die gut proggen und rocken. In dieses kurze Stück packt Andy einen ganzen Haufan an
Ideen, die auch für mehrere Songs gereicht hätten. Das folgende Titelstück weist wieder einige Neoprog-Elemente auf,
indem es irgendwie zwischen Spock’s Beard und den Flower Kings mit weiteren Zutaten pendelt. Der Track gefällt mir gt,
die Gitarrenpassagen im zweiten Teil des Stückes sind wirklich klasse. Nach „A Sale Of Two Souls“ bei dem Andy mit
unterschiedlicher Dynamik arbeitet, endet die erste CD mit „Bat Out Of Basildon“, das mit einem startenden Motorrad,
rockigen Gitarren und einem dreckigen Saxophon beginnt. Nicht nur Andy’s Gesang erinnert mich da sehr an den seligen
Frank Zappa. Der Höhepunkt ist für mich die zweite CD mit ihren beiden Longtracks, die es in sich haben. Faszinierende
Synthies sowie ein gemeinsamer Gesang von Andy und Julie King lassen mich bei „Four Egos One War“ gleich auf den
Tonwellen dahin gleiten. Das ist Gänsehautfeeling pur. Dieser Track hat alles, was ein guter Longtrack haben muss. Vo
allem die Synthies reißen mich richtig mit. Und dem steht der zweite Song „The Full Gamot“, der wie ein Epos klingt, in
nichts nach. Allein diese beiden Stücke rechtfertigen meiner Meinung nach den Kauf des Albums. InsideOut/SPV, die ja
bekannt für sehr ansprechende Ausstattungen ihrer Produktionen sind, haben auch mit dieser Veröffentlichung wieder
ungewöhnliches am Start, denn es gibt die CD in verschiedenen Varianten. Neben der normalen DoppelCD erscheint das
Album auch als Special Edition im Slipcase und in einer Special Edition mit einem 100seitigen Booklet, in dem die Story
zum Album in sehr ansprechender Weise illustriert wurde. Eine lohnenswerte CD, in welcher Version man sie sich auch
immer anschaffen mag.
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Egal ob man nun auf Jazz, Artrock oder sphärischen Proressive Rock steht, bei The Tangent ist man stets an der richtigen Adresse - 2006 sogar noch eher als je zuvor. Walls Of Fire Ganze rezension hierPunkten: *****
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Berichte:
"deadnextdoor" fur walls of fire Thomas Kohlruß fur babyblaue-seiten.de Amir Djawadi, fur heavy-metal.de
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Stephan Voigtländer fur POWERMETAL.DE[03.02.2006]
THE TANGENT und ihr Kopf Andy Tillison haben nach anderthalbjähriger Pause ihr drittes Album am Start, das mit einigen leichten Kurskorrekturen im Sound aufwartet. Ursache hierfür ist sicherlich der Weggang von zwei mittlerweile ersetzten Musikern, wobei der von FLOWER KING Roine Stolt sicherlich schwerer wog. Qualitätseinbußen gehen damit aber glücklicherweise nicht einher, da mit Gitarrist Krister Jonsson (KARMAKANIC) und dem ehemaligen FLOWER KINGS-Trommler Jaime Salazar gleichwertige Nachfolger gefunden werden konnten.
Musikalisch orientiert sich das auf "A Place In The Queue" Dargebotene an den klassischen Prog-Sounds bzw. -Bands, so dass man die Truppe beinahe als Retro-Band bezeichnen könnte. Man muss ganz klar sagen, dass THE TANGENT das Prog-Rad keinesfalls neu erfinden, dafür aber eine vielseitige und unbeschwerte Mischung aus den bewährten Zutaten bieten. Man braucht nicht viel Phantasie, um zudem die regelmäßigen Jazz-Ausflüge ausmachen zu können, aber das Album beinhaltet noch einiges mehr. Es kommen eine Vielzahl von verschiedenen Instrumenten wie Saxophon, Flöten, Klarinetten, Orgel, Mandoline etc. zum Einsatz, was den abwechslungsreichen Aspekt noch mehr hervorhebt, wenngleich diese auf einem Prog-Album ja keinesfalls ungewöhnlich sind.
Man muss zwar festhalten, dass es auf "A Place In The Queue" auch Momente gibt, wo sich THE TANGENT ein bisschen in Beliebigkeit verzetteln, aber größtenteils wird schon sehr Ansprechendes geboten. Die Musik lebt vor allem von der Eingängigkeit (im Gegensatz zu manch anderer Prog-Kapelle bewegt sich hier alles in überschaubaren Bahnen und irritiert den Hörer nicht mit zu wirren Arrangements) und ihrer gefühlvollen, beinahe einschmeichelnd melodiösen Ausrichtung.
Mit 79 Minuten Gesamtdauer hat man die zur Verfügung stehende Kapazität auch beinahe vollständig ausgenutzt, und das, ohne überflüssige Längen ins Spiel zu bringen. Das gilt besonders für die beiden über 20 Minuten langen Stücke ('In Earnest' und das Titelstück), welche die gesamte Bandbreite, die THE TANGENT zu bieten haben, zusammenfassen. Egal, ob es jazzig, psychedelisch, poppig, rockig, balladesk oder nach Disco klingt (wie in 'The Sun In My Eyes') - THE TANGENT haben alle Facetten dieser Musik drauf und bringen dies, was noch viel wichtiger ist, schlüssig und glaubhaft rüber. Hier stehen absolut die Musik und ein abgerundetes Gesamtbild des Albums im Vordergrund, was ja gerade im Prog-Genre nicht immer der Fall ist.
Interessant ist auch, dass die Songlängen von einem zweiminütigen Quickie bis hin zu einem 25 Minuten dauernden Epos reichen - obwohl das wirklich nur bei einem Blick auf die CD-Hülle auffällt. Auch diese Tatsache unterstreicht, dass es sich bei dieser Scheibe um eine runde und schlüssige Sache handelt, bei der die Ausgewogenheit als großes Plus registriert werden kann, welche auch durch die zahlreichen Soli (Saxophon, Synthesizer, Piano, Gitarre) nicht aus dem Gleichgewicht gebracht wird.
Wem die 79 Minuten noch nicht genug sind, der wird sicherlich interessiert aufhorchen, dass es eine Special Edition geben wird, die eine Bonus-CD mit sechs weiteren Songs umfasst. Diese sind zusammen mit den sieben auf der regulären Scheibe vertretenen Songs entstanden, passten aber konzeptionell nicht dazu und wurden daher ausgeklammert.
Ich kann die Bonustracks zwar nicht beurteilen, aber zumindest das vorliegende Material ist handwerklich und songschreiberisch einer Prog-Band jedenfalls absolut angemessen und bis auf einige ganz kurze Schwächephasen sehr hörenswert. Summa summarum ist "A Place In The Queue" sicherlich kein Album, das herausragt, aber ein gutklassiger und vielseitiger Ohrenschmaus ist es allemal.
Anspieltipps: In Earnest, A Place In The Queue
Ingolf Schmock fur ROCKTIMES.de
Dies ist das schwierige dritte Album. Damit gehen sie zu weit. Sie laufen Gefahr ihre Wurzeln zu verleugnen, und es kümmert sie nicht!"
Andy Tillison, Sänger, Songschreiber und Tastenvirtuose der schwedisch-britischen Progrock-Formation The Tangent, nimmt sich selbst auf die Schippe und bereitet den Hörer damit auch flachsend auf einige Veränderungen vor. Was dieses Werk anderthalb Jahre nach dem letzten Output "The World That We Drive Through" an Neuerungen zu bieten hat, dürfte den Liebhabern der Band allerdings durchaus munden.
Das multieuropäische Musikerkollektiv hat Personal verloren, aber dafür auch frische Kreativzellen dazu gewonnen. Vom ehemaligen Flower Kings-Mitgliedergerüst ist nun letztendlich Bassist Jonas Reingold übrig geblieben. Viele neue Pläne bzw. Projekte zwangen wohl Workaholic, Kreativkoordinator und geistige Progrock-Koryphäe Roine Stolt, die Mannschaft zu verlassen und gleichsam für eine frische Brise den Weg freizumachen "Es war traurig ihn gehen zu sehen, auch Roine zu verlieren traf mich hart. Anderseits ist mir bewusst geworden, dass ich nicht nur Musiker, sondern selbst auch Fan bin." sagt Tillison.
Der neue Sechsaiter Krister Jonsson aus Reingolds Band Karmakanic bringt auf jeden Fall neue Schwerpunkte mit ein, ist erfrischend weniger verspielt, gleichsam minder dominant, kurzum passt sich instrumental geschmeidiger in das Kollektiv ein.
Komplettiert wird das neue Line-Up von Schlagzeuger Jaime Salazar, der bis zu "The-Rainmaker" bei den Blumenkönigen trommelte und Saxophonist Theo Travis (David Sinclair, Porcupine Tree, David Allens Gong).
Unverrückbare Positionen besetzten nach wie vor Parallel Or 90 Degrees-Mastermind Andy Tillison (Tasteninstrumente, Gesang), Sam Baine (Keyb, Gesang) und Guy Manning (Akustik-Gitarre, Mandoline, Gesang).
Bei dem neuen Studioerguss "A Place In The Queue" muss ich gleich vorwegnehmen, dass es beileibe kein einfaches Album geworden ist, aber für denjenigen, der gerne einmal tiefer hineinhört und experimentierfreudig ist, wird sich dieses Gesamtkunstwerk wie eine Schatztruhe öffnen.
"Ein Platz in der Warteschlange", so die etwaige Übersetzung, ist ein konzeptionell philosophisches Hörgemälde, das sich in seiner Lyrik mit humangesellschaftlichen Thematiken der Gegenwart auseinander setzt. Wir Menschen sind alle Sklaven von Werbung, Trends, Religionen und selbst auferlegten Dogmen, und haben deswegen unseren Platz in der Warteschlange des Lebens inne.
Man möchte meinen, musikalisch hätte eine Umorientierung stattgefunden. Wenn man dabei das Zurücknehmen von Rockelementen annimmt, stimmt es unüberhörbar. Ich bis dato würde es als Befreiung bzw. Regenerierung bezeichnen wollen, sich nun endlich von Stolts allmächtigen Schatten gelöst zu haben.
Man muss das Hörwerk insgesamt betrachten bzw. konsumieren. Es fällt schwer einzelne Tracks aus den Kontext zu reißen, obwohl seine Konstruktion von den beiden Mammutkompositionen wie ein Gerüst getragen wird.
Die Kompositionen erscheinen vielschichtiger und abwechslungsreicher. In sich frei schwebende Harmonien sind ständig im Clinch mit improvisiert attackierenden Jazzpassagen, leichtfüßigen "Canterbury-Sound" und immer wieder kleinen Folk-Einsprengseln.
(Anm.d.V: Der sog. Canterbury-Sound erlebte seinen Ursprung Anfang der 70er, durch kreative Musikanten aus der Gegend um die Provinz Canterbury. Für dieselben spielten deutliche Jazzeinflüsse eine größere Rolle als bei den meisten zeitgenössischen britischen Progressiv-Bands.)
Es erweckt geradezu den Eindruck, es sei der göttliche Funke in die Protagonisten gefahren, welche vom Glück beseelt ihre Instrumente jubilieren lassen.
In den einzelnen Tracks befinden sich keine egozentrisch überdehnten, dafür aber prägnante solistische Glanztaten, die allenfalls der gemeinsamen Grundstimmung untergeordnet sind. Die vielfältigsten Klangfarben fügen sich zu einem collageartigen Gemälde zusammen, Kollektivimprovisationen wechseln mit ausgedehnten, straff durcharrangierten Passagen. So betört uns eine introvertierte Kammermusik mit weit aufschwingenden Melodiebögen, überraschende musikalische Wendungen bzw. beeindruckende Virtuosität. Dies verstärkt den subjektiven Eindruck eines monumentalen Hörkinos ohne jegliche Längen.
Mit einer unglaublichen Präsenz überzeugt jeder Einzelne der Bandmitglieder als vollwertige, zum Großteil individuelle Solisten. Hierbei macht keine instrumentale bzw. stimmliche Brachialgewalt, sondern ausgefeilte Dynamik, gute Artikulation und ausgezeichnete Intonationen den Wert aus.
So übernimmt Tillison, nach Stolt's Weggang, den Grossteil der Vokalparts, wobei seine süffisante, nölende Stimme nicht gerade mit Variabilität und Kraft bestechen kann, aber der eine kompatible britische Nonchalance nicht abzusprechen ist.
Auch bedient er sich schöpferisch den ungezählten Klangmöglichkeiten seiner Moog- Synthesizer oder Hammondorgel, dessen pastellös behändes Spiel auf den Tasten, mit retardierenden und Up-Tempo Zwischengriffen angereichert, stets unaufdringlich der allgegenwärtigen Rhythmik dienlich sind. Seine Dominanz am Moog, nebst runden Anschlag gerät selbst in den schnelleren virtuosen Sätzen nie in Gefahr, sich in Selbstverliebtheit zu verlieren.
Bassist Reingold zupft sein Instrument trocken -erdig, Jaime Salazar trommelt flexibel und mit percussiver Einfühlsamkeit, das repetitive E-Piano kann die expressiven Jazzelemente aufnehmen, unterstreicht die Stimmungen auf diesem Output, vor allem aber mit perlenden Single-Note-Linien und orgastischen Läufen.
Das elegante, lyrisch singende Spiel bzw. die Unisono-Parts von Theo Travis auf der Flöte, Klarinette und expressiv modifizierte Saxophonpassagen mit leicht überblasenen Phrasen, verdeutlicht noch einmal etwas mehr Spielfreude und Verspieltheit, als auf dem Vorgänger.
Ausgeklügelte und bestimmende Gitarrensoli sind auf dem vorliegenden Werk eher weniger zu vernehmen bzw. sind schmückendes Beiwerk, überzeugen aber dramaturgisch mit effektvoller Virtuosität. Der Klangkörper musiziert sehr konzentriert bzw. meistert die enorme technische Herausforderung mit respektgebietender Brillanz und agiert größtenteils homogen sowie klangintensiv.
Das Klangbild bleibt dabei stets voller Wärme und verfällt nicht dem Pathos, welchen den symphonischen Partituren leicht widerfahren können. Man könnte fast von 'analytischer Durchdringung prägnanter Intonationen' sprechen, wenn dies nicht so ein trockener Begriff wäre.
Das auf stolze 20 Minuten bemessene Eröffnungsepos "In Earnest" ist ein Paradebeispiel für ein Feuerwerk an instrumentalen Variationen. Der samtige E-Piano Einstieg von sakraler Stimmung lässt rein zufällig partiell (oder nicht?) Zitate aus Genesis "Blood On The Rooftops" erkennen. Bestückt mit dem beseelten Gesang Tillisons, spielt es mit Intensitätssteigerungen und einen mehrfachen Wechsel des Metrums, bevor das Stück mit seinem klassisch verspielten Mittelteil fesselt.
Die Tasten-Intonationen paktieren mit einem Perkussions-Teppich, der quirlig groovt und immer schneller werdend, sich bei inbrünstiger Klangfülle entfaltet, treibend voranmarschiert, um schließlich wieder zurückgenommen das Grundthema aufgreifend, in das hymnische Finale geleitet.
Kurze aber prägnante Zwischentöne von der Sechssaitigen und der Klarinette setzen meisterliche klassische Akzente innerhalb des breaklastigen Arrangements.
Zwischen den Linien nimmt sich das 'Orchester' weit zurück, so dass ein Gefühl des erneuten Anlaufens entsteht, ohne dass die Gesamtlinie unterbrochen wird.
Man benötigt einige Hördurchgänge (gilt auch für das restliche Material) um über verschiedene Längen hinweg das traumhaft sichere, sowie äußerst sensible, aufeinander eingehende Spiel der Beteiligten zu erspüren und aufzunehmen.
Im anschließenden "Lost In London" überrascht die Formation mit einer magischen Canterbury -Atmosphäre und anderseits rockigen Retro-Prog Sequenzen, in welchen wunderbar versponnene Flötenintonationen à la Ian Anderson nebst modifiziert anschwellender Hammondorgel für die nötigen Spannungsbögen sorgen.
Doch bei aller Differenz zwischen diesen beiden musikalischen Welten, entsteht dadurch kaum ein Gefühl des Verlustes der Authentizität.
"DIY" ist dagegen ein verstecktes Kleinod auf diesem Album. Die Travis-Komposition ist zeitgenössischer Jazzrock, verspielt und atonal avantgardistisch, auf das Höchste komprimiert. Saxophonist Travis darf hier seinen Emotionen die Peitsche geben.
Ob nun noch das vom feinsten Yes-Geist ummantelte "GPS Culture", mit dessen hochemotionalen und saloppen komplexen Keyboardläufen, worin Gastgitarrist Dan Watts (Parallel Or 90 Degrees) ein Paradebeispiel an Eleganz bzw. Ästhetik postiert, oder die feine etwas entrückende Jazzrock Komposition "Follow Your Leaders", wie sie exemplarischen Genreurgesteine Colosseum während ihren seligen Zeiten reproduzierten: es bleibt dabei immer genügend Raum für ausgiebige Ausschmückungen.
Vom rhythmisch, harmonisch akzentuierten Bassspiel beflügelt, mit elegischen Gitarren- Einlagen, kongenialen Synthesizer und Flöten Kaskaden durchwoben: das alles weist auf eine Seelenverwandtschaft der Protagonisten hin, die traumhafte Interaktion erlauben. Auch wie sehr sich Tillison & Co. bei leichtfüßigen Rhythmen und nostalgischen Melodien wohl fühlen.
Mit "The Sun In My Eyes" erlaubt sich die Band einen Totalausfall. Keine Ahnung welcher Belzebub Herrn Tillison da geritten hat. Höchstwahrscheinlich hatte derselbe gerade beim komponieren eine Santa Esmeralda Scheibe am laufen. Man stellt sich an dieser Stelle die Frage nach einer heimlichen Hommage an den 70er Disco-Pop oder einer schlichten Provokation, die jeden introvertierten Proggie wachrütteln möchte. Es wäre vielleicht besser nicht eingespielt worden.
Der abschließende Titeltrack ist mit 25 Minuten Laufzeit ein schwerer Brocken, aber auch ein resolutes Meisterstück bzw. ein würdiges Finale, derer eine kompositorische Steigerung kaum möglich sein sollte.
Sämtliche Tugenden bzw. Vorzüge der anspruchsvollen Musik, werden mit Fragmenten aus Jazz, Kunstrock, Ambiente, Bar-Swing, RetroProg und Blues angereichert bzw. verschmelzen zu einem berauschenden Gebräu - das komplettiert die musikalische Achterbahnfahrt von Gefühlen.
Das akustische Gitarren-Intro ist dabei das Salz in der 'Gemüsesuppe' bzw. bereitet den majestätischen Apptizer zum Hauptgang.
Anmutig erklingt das völlig losgelöste E-Piano, wechselt alsbald zum Synthesizer um sich in abstrakten Klanggefilden zu tummeln, bis sich das Saxophon des Grundmotivs mit einem leidenschaftliches Solo annimmt.
Die traumwandlerische Balance wird hierbei vom entsprechenden Rhythmusfundament gehalten, so dass die Herren Musiker ihre Experimentierfreude ausleben und stilistische Grenzen fröhlich ignorieren können.
Als Gegenpol zum atmosphärischen Gitarrensolo, beschert ein nettes Übergangsthema Raum zum Durchatmen, bevor sich die angestaute Energie in einem Bade aus Jazzfunk und Progrock als sensible Inszenierung entlädt, woraufhin die hinreißend angeschlagene Sechssaitige vom Vorarbeiter Tillison in Synthie-Schwällen erstickt wird. Dieser Meisterwurf lebt vom Yin-Yang Prinzip, der ausgewogenen Balance von Komposition und Improvisation, beeindruckt durch einen stetigen Fluss bzw. Ideenreichtum, der sich erst nach mehrmaligem Hören erschließt.
Fürwahr ein berauschendes Teil Musikkultur, mit dem du mental ebenso in der Vergangenheit schwelgen, wie in die musikalisch kreative Zukunft reisen kannst!
Es wird sich sicherlich als schwieriges Unterfangen für die Beteiligten erweisen nach solcher Herausforderung an die Sinne, eine weitere Steigerung folgen zu lassen.
Wer Lust auf einen musikalischen Liebesakt verspürt, woran die exorbitanten Talente der Komponisten, aber auch die Einfühlsamkeit der Musiker gleichermaßen Anteil haben, dem sei diese Scheibe wärmstens empfohlen.
Kommende Nachahmer des schwedisch-britischen Musikerkollektives werden sich in der Warteschlange weit hinten anstellen müssen!
"A Place In The Queue" erscheint auch als Special Edition im Digipak, mit erweitertem Booklet und Bonus-CD. Diese beinhaltet sechs exklusive Tracks, die während der "Queue"- Sessions entstanden, allerdings nicht in das Konzept des Albums passten.
The Tangent - A Place In The Queue (InsideOut)
Tom Klaner fur BRIGHTEYESNach dem Abgang des Flower Kings-Gitarristen Roine Stolt und schien es für Sänger Andy Tillison, den Kopf von THE TANGENT sehr schwer zu werden, die Klasse der beiden Vorgängerscheiben halten zu können. Mit Bassist Jonas Reingold blieb Andy allerdings nur noch einer der Flower Kings-Musiker übrig, um seine Visionen voranzutreiben und sein neuestes Werk "A Place In The Queue" umzusetzen. Die Musiker gehen die Angelegenheit mit dem zwanzigminütigen ,In Earnest' sehr verhalten und zurückhaltend an, ohne mit genügend progressiven Elementen zu glänzen. Sicherlich gehören THE TANGENT Alben nicht zur so genannten leichten Kost im Musikbereich, aber die Progrock-Freaks dieser Erde werden "A Place In The Queue" bald lieben. So liegt es nun an den Proggies, die Erwartungen des Bandleaders Andy Tillison zu bestätigen. Wer sich die Zeit für den rund 25minütigen Titelsong nimmt und diesen in seinen Einzelheiten in sich aufsaugt, der wird mit einem wirklich musikalischen Ausnahmeerlebnis belohnt. Die Verbindung von schweren Hammondorgelklängen, an Jethro Tull erinnernde Querflöten, einem aufwirbelnden Saxophonspiel und atmosphärischen Pink Floyd-Elementen hat es wahrlich in sich. THE TANGENT sollten mit "A Place In The Queue" auch mit verändertem Line-up an die Erfolge ihrer vorigen Studioalben anknüpfen können. Andy Tillison wird es freuen, den Progrock-Fans wieder großartigen Stoff geliefert zu haben. Auch wenn THE TANGENT Alben eher harte Arbeit für die Ohren sind und mit Easy Listening gar nichts am Hut haben, so zahlt sich die investierte Zeit und das Durchhaltevermögen letztlich aus. Probiert es einfach aus!
11 von 13 Augen
The Tangent - A Place In The Queue (InsideOut)
Autorbewertung: Erscheinugsdatum: 2006
"deadnextdoor" fur walls of fire
*****

Es sind erst anderthalb Jahre ins Land gezogen, seitdem The Tangent ihr letztes Album "The World That We Dive Through" veröffentlicht haben, und dennoch ist eine Menge passiert beim schwedischen Bandprojekt um den begabten Songwriter Andy Tillison. Konnte man The Tangent einst noch als reinen Flower Kings-Ableger betrachten, hat sich dies nun mit dem Weggang von Oberblume Roine Stolt schlagatig verändert. Gemeinsam mit Saxophonist David Jackson verließ er die Band und wurde durch den neuen Gitaristen Krister Jonsson ersetzt.
Und dieser Wechsel - man mag es kaum glauben - hat sich auf dem neuen Album voll und ganz bewährt. Der neue Mann an der Sechssaitigen setzt nämlich ganz andere Schwerpunkte als sein Vorgänger und lässt im teilweise sehr abgedrehten Fusion-Sound der Schweden viele Freiräume für die Keyboardteppiche seines neuen Vorgesetzten und agiert nicht ganz so verspielt wie sein Vorgänger. Trotzdem weiß er aber in den richtigen Momenten Akzente zu setzen, so zum Beispiel im sehr Break-lastigen, partiell an King Crimson erinnernden Opener "In Earnest", dessen psychedelischer Unterton einen besonders im spannenden Mittelteil fesselt, bevor es dann in einem sehr euphorischen Finale richtig heiß hergeht. Zwanzig Minuten dauert dieser Track und kündigt schon sehr genau an, was dieses Album noch so alles an verheißungsvollen Klängen zu bieten hat. Bei "Lost In London" und "GPS Culture" halten sich The Tangent dann aber in Sachen Virtuosität ein wenig zurück. Natürlich wird auch hier ein richtiges Feuerwerk an instrumentalen Variationen abgeschossen, aber beide Nummern klingen dennoch nicht zu sehr abgehoben und sind vergleichsweise leichter zugänglich.
Nach der Halbzeit folgt dann mit "Follow Your Leaders" wieder ein Stück mit wahnwitzigen Keyboard-Parts und ziemlich komplexen Jazz-Gitarren-Läufen, doch auch hier bauen die Schweden einen sehr entspannten Part ein, der die verknoteten Gehörgänge langsam aber sicher wieder lockert. Anschließend wird's dann wirklich seltsam; bei "The Sun In My Eyes" bemüht man einen recht simplen Disco-Sound, bei dem man zunächst nicht weiß, wie einem geschieht. Die Band scheint hier all ihre verproggten Gedanken ad acta gelegt zu haben und klingt dabei sogar eingängig. Wer die vorherigen fünf Stücke (darunter auch das Saxophon-Lied "DIY Surgery") gehört hat, wird erst begreifen, wie komisch eine solche Komposition im Kontext dieses jazzigen Albums ist.
Bevor jedoch erste Zweifel aufkommen können, legen The Tangent mit dem Titelsong ihr Meisterstück ab und verwursten so ungefähr alles, was man in den übrigen Stücken schon angedeutet hat. Jazz, Retro-Rock, Artrock, Soundtrack-Themen, entspannte Barmusik, Blues - es gibt nichts Genreverwandtes, was man hier nicht vorfindet. Außerdem darf sich der neue Gitarrist hier endlich ausleben und genießt seine Freiheiten in einem sehr langen, gefühlvollen Solo-Intro, um das der 25-minütige Track sich schließlich aufbaut und letztendlich zu einem der genialsten Mammut-Tracks der jüngeren Prog-Historie mutiert. Tillison und seiner Band ist es hier vorbildlich gelungen, monumentales Kino ohne jegliche Längen aufzufahren, und so vergeht die knappe halbe Stunde wie im Flug. Man nenne mir mal bitte eine Band, bei der diese Eigenschaft ebenfalls auftritt. Na los, ich warte.
Schlichtweg genial ist das, was The Tangent hier in fast 80 Minuten auffahren. Mit dem Material von "A Place In The Queue" können die Schweden sogar dem direkten Vergleich mit King Crimson standhalten, und alleine das ist ja schon mehr als außergewöhnlich. Egal ob man nun auf Jazz, Artrock oder sphärischen Proressive Rock steht, bei The Tangent ist man stets an der richtigen Adresse - 2006 sogar noch eher als je zuvor.
Autor: [deadnextdoor]
Von: Thomas Kohlruß fur babyblaue-seiten.de
nachste vorgehend

The Tangent, das Projekt von Andy Tillison (sonst auch noch Leader von Parallel or 90 Degrees), legt sein drittes Album vor. Tillison spricht im Pressetext vom "schwierigen dritten Album" und auch ich hatte fast etwas Angst vor diesem Album, denn was kann man schon von The Tangent erwarten? Zum zweiten Album schrieb ich "Ich sage aber auch: Damit ist dann auch gut, ein drittes Album dieser Art bräuchte ich wahrscheinlich auch nicht ;-)" und daran muss ich mich jetzt messen lassen...
Zunächst personelles: Allgemein bekannt dürfte sein, dass Roine Stolt das Projekt inzwischen verlassen hat. Sein "Ersatz" ist Krister Jonsson, Lesern dieser Seiten vielleicht am ehesten von seinem Mitwirken am zweiten Album von Karmakanic bekannt. Ansonsten ist Jonsson eher im Jazz beheimatet und hat ein eigenes Trio, mit der er unterwegs ist. Ein weiterer Abgang ist Zoltan Csörsz, der nicht nur die "Flower Kings" sondern eben auch The Tangent verlassen hat. Sein Nachfolger ist aber auch ein alter Bekannter, nämlich der Vorgänger von Csörsz als FloKis-Drummer: Jaime Salazar. Ansonsten ist die Stammmannschaft mit Reingold, Travis, Baine, Manning wieder mit an Bord.
Und The Tangent bieten überwiegend wieder das, was sie können und was vermutlich die Fans auch von der Band erwarten: Es gibt schwelgerischen, symphonischen, manchmal bombastischen, manchmal melancholisch-filigranen RetroProg in verspielter Perfektion. Gerade in den beiden das Album einrahmenden Longtracks ist diese Attitüde auf den Höhepunkt getrieben. Das besondere Markenzeichen von The Tangent sind ausserdem die Ausflüge in canterbureske Klanggefilde und auch diese werden wieder reichlich unternommen. Besonders Theo Travis mit Flöte, Klarinette und Saxophon sowie vermutlich Sam Baine mit sanften Pianoläufen sorgen für diese ungemein angenehmen jazzigen Einsprengsel, die der Musik von The Tangent den letzten Pfiff geben.
Jonsson ist ein ziemlich zurückhaltender Gitarrist, zumindest auf diesem Album. Daher sind die Gitarrenparts eher schmückendes Beiwerk, ausser im Track "GPS Culture", aber hier bedient 'Parallel Or 90 Degrees'-Gitarrist Dan Watts gastweise die Gitarre... dafür stehen Tillisons Keyboard-Attacken noch dominanter im Klangbild, was sich aber sehr gut macht. Tillison ist ein hervorragender Keyboarder und wer das Glück hatte ihn live erleben zu dürfen, weiss, auch ein toller Entertainer. Den Gesang übernimmt Tillison nach Stolts Abgang auch weitgehend alleine. Das dürfte manchen etwas eintönig vorkommen, aber ich mag diese eher zerbrechlichen, angejazzt klingenden, relaxten Stimmen (ähnlich der von Roine Stolt). Und hier passt diese Art der Singens auch noch wie die sprichwörtliche "Faust aufs Auge".
Neben Theo Travis, der mit wirklich mitreißenden Beiträgen, vor allem an der Flöte, glänzt, ist Jamie Salazar der heimliche Star des Albums. Salazars druckvolles und doch verspieltes Drumming konnte mich schon bei den Flower Kings begeistern. Hier ist es wahrlich beeindruckend und sorgt für ordentlich Groove. Zumal auch Jonas Reingold seine besten Seiten - pardon, Saiten - auspackt und dem Bass ordentlich Zucker gibt.
Solide bisher könnte man sagen... allerdings überzeugen die Songs auf "A Place In The Queue" schon mit deutlich mehr Drive, Spielfreude und Verspieltheit als die auf dem Vorgänger "The World That We Drive Through" und können von daher mehr begeistern. Aber Tillison hat noch ein paar Asse im Ärmel: "Lost In London" beschwört in magischer Weise die Atmosphäre der "Canterbury Sequence" vom Debütalbum und überrascht dann mit rockigen Einschüben, herrlich. "Follow Your Leaders" bietet den Tangent-Sound sozusagen in gestraffter Form und mit ordentlich Rockpower. Und vor allem in "GPS Culture" adaptiert Tillison erstmals unter anderem auch klassischen Yes-Sound, was ihm ausserordentlich gut gelingt und eine ganz andere Klangfarbe einbringt. Aber das versteckte Highlight ist die Theo Travis-Komposition "DIY Surgery". Auf nur 2:16-Minuten werden rockige Ausbrüche und jazziges, rauhes Saxophon in einen Klasse-Song komprimiert, der so klingt, wie die modernen Van der Graaf Generator hätten klingen sollen, wenn sie den Versuch unternommen hätten ihren "klassischen" Sound in die Neuzeit zu transportieren.
Allerdings soll an dieser Stelle auch "The Sun In My Eyes" nicht verschwiegen werden: Eine - ähmm - Hommage an End-70er / Anfang 80er Disco-Pop? Es klingt auf jeden Fall wie eine Mischung aus Village People, Earth, Wind & Fire und den Versuchen Roine Stolts solche Musik zu machen (siehe The lonely heartbeat). Ich weiss nicht.... *skip*
Fazit: "...Ich sage aber auch: Damit ist dann auch gut, ein drittes Album dieser Art bräuchte ich wahrscheinlich auch nicht...." Das ist es auch nicht unbedingt geworden. The Tangent haben die "Befreiung" vom langen Schatten des Roine Stolt genutzt, um frischer und eigenständiger, aber trotzdem mit dem unverwechselbaren Tangent-Sound, an den Start zu gehen. Ein paar Überraschungen sorgen zusätzlich für Spaß und wenn man vom Fehlschlag "The Sun..." absieht, haben The Tangent ein rundum empfehlenswertes Album für Retro-Heads, Schönklang-Fans etc. vorgelegt.
Das Album erscheint am 03. Februar 2006 bei InsideOut. Dann gibt es neben der normalen Ausgabe auch eine "Special Edition". In der "Special Edition" gibt es neben DigiPak, erweitertem Booklet auch noch eine Bonus-CD mit sechs zusätzlichen Tracks, die während der "Queue"-Sessions entstanden sind, aber nicht auf das Album passten.
Anspieltipp(s): Lost In London, Follow Your Leaders
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 15.1.2006
Letzte Änderung: 15.1.2006
Wertung: 11/15
Fans addieren einen Punkt, "more-of-the-same"-Averse ziehen zwei ab
Amir Djawadi, fur heavy-metal.de
A PLACE IN THE QUEUE

Wer ist Roine Stolt!?
2006 steht für Wandel, nicht nur für die deutsche Bundesregierung, die nach der „überraschenden, vorgezogenen Wahl“ in neuer Struktur an den Start gegangen ist. Auch die Formation THE TANGENT, die zuletzt 2004 ein Album veröffentlichte, hat sich gewandelt. Es ist ein multipersonelles Unterfangen, sieht man die Vielzahl der beteiligten Musiker, aber es hat erhebliche Wechsel im Line up gegeben. So ist von der ursprünglichen dreiköpfigen Schar der FLOWER KINGS-Mitglieder nur noch Basser Jonas Reingold geblieben, nachdem z.B. Roine Stolt festgestellt hatte, er sei in zu vielen Projekten aktiv.
"TheJack" fur NECROWEB The Tangent - A Place In The Queue

Mit "A Place In The Queue" bringen The Tangent ihren dritten Silberling ins Rennen. Und obwohl oft davon gesprochen wird dass die 3. Scheibe einer Band die wirklich entscheidende ist, wagen sie den Schritt einige Veränderungen in ihrem Stil vorzunehmen.
Aber zunächst zur Band: The Tangent brachten ihr erstes Album 2003 auf den Markt. Damals war auch noch Flower Kings Gitarrero Roine Stolt mit dabei, der aber zugunsten seiner Hauptband und seiner Solokarriere die Band verlassen hatte. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem progressive Rock, wobei Abweichungen in andere verwandte Gefilde wie Jazz oder Blues durchaus auch vorkommen.
Auf "A Place In The Queue" kommt diesmal aber besonders Andy Tillison's Faible für Canterbury Music zum tragen. Canterbury ist stilistisch verwandt mit dem progressive Rock. Der größte Unterschied liegt wohl in der stärker jazzorientierten, weniger bombastischen und zum Teil humorvolleren Spielweise des Canterbury.
Und genau das unterscheidet dieses Album von so einigen anderen progressive Scheiben. Man merkt der Band die echte Spielfreude hinter jedem Ton an, und dass hier mit Herz und Seele gespielt worden ist. Das Schlagzeug treibt an den passenden Stellen den Song unbeschwert voran, während Saxophon oder Mandoline den Songs stellenweise einen unverwechselbaren Klang verleihen. Der Gesang ist streckenweise gewöhnungsbedürftig, besonders bei den ruhigen, sanften Passagen. Hingegen bei den lauteren Parts weiß Andy Tillison absolut zu überzeugen.
Trotzallem ist "A Place In The Queue" kein leichter Tobak, was nicht zuletzt an der Länge der Stücke liegt. Es ist nicht so leicht sich auf einen 20 oder gar 25minütigen Song einzulassen ("In Earnest" und "A Place In The Queue"), und dann auch noch jeden einzelnen Part auf Anhieb nachvollziehen zu können. Und außer "DIY Surgery" und "The Sun In My Eyes" sind auch die restlichen Stücke nicht kürzer als 8 Minuten. Dieses Album wird es daher in unserer kurzlebigen Zeit wirklich schwer haben. Denn nur wenige Hörer geben sich heute noch die Zeit, ein Album auf sich wirken zu lassen. "A Place In The Queue" ist ein Album für ruhige und entspannte Abende am Kamin oder vergleichbarem (Heizung?). Fans von progressiver Musik werden auf jeden Fall ihre Freude an diesem Werk haben. Vorrausgesetzt sie nehmen sich die Zeit dafür.
Von RAGAZZI MUSIK

Andy Tillison ist mit "A place in the queue" bereits bei Album Nummer 3 angelangt. The Tangent hat wieder Personal verloren und neues gefunden. Roine Stolt stieg aus, statt seiner ist Krister Jonsson, Gitarrist von Jonas Reingold' Karmakanic (der ebenfalls involviert ist) engagiert, zudem Theo Travis (sax, fl, cl), Guy Manning (ac-g, mand), Sam Baine (p, synth) und Jaime Salazar, dessen Getrommel gut wieder zu erkennen ist, sowie Dan Watts (g, Parallel or 90 Degrees) in einem Track. Die britisch-schwedische Zusammenarbeit, so steht es auch im Pressetext, bezieht ihre Inspiration aus den beiden Quellen Canterbury Rock und The Flower Kings.
Den Großteil der Songs hat Keyboarder Tillison geschrieben. Das ist ihm zumeist gut gelungen, gleich der 20-minütige Opener "In Earnest" geht flott voran, läuft schön flüssig durch, hat Ecken und Kanten, diverse Solo- und Instrumentalteile, in denen Bassist Jonas Reingold ebenso gut auffällt wie Gitarrist Krister Jonsson. Aber auch Theo Travis bringt mit illustrem und durchaus jazzigem Flöten- und Klarinettenspiel diverse interessante Töne ein, das war in dieser faszinierenden Form von The Tangent bisher nicht zu hören gewesen.
Gleich hingegen ist die Stimme von Andy Tillison. Nicht besonders kräftig und klangvoll, nicht von großer Modulationsfähigkeit und Melodik, keine aufregende Stimmführung, aber dieser typisch britische nonchalante Klang, der oft in der Canterbury Szene auszumachen ist.
Für mich persönlich ist "Lost in London" definitiv das beste Stück der CD. Jazzharmonien wälzen sich durch das liedhafte Stück, das gemütlich und entspannt klingt, dabei aber harmonisch knifflige Stellen zu passieren hat und dem nüchternen Gesang von Tillison fabelhafte Basis ist. Was für ein Rhythmus, welche Beschwingtheit und lyrische Anmut! Allein die melodische Flötenlinie ist traumhaft schön, dazu die prog-typischen Eckpunkte zwischen den einzelnen Versen. Es kommt wohl nicht von ungefähr, dass der Name "David" gesungen wird, fehlt noch "Richard", dann würden Caravan Tillison mit dem Zaunpfahl erschlagen…
Von gleicher Faszination ist das schwer komplexe und nur knapp 2-minütige Prog-Monster "DIY Surgery", dessen elegante Nonchalance mit verzückter Hingabe gefesselt ist. Was denkt dieser Tillison, wenn er derart grandiose Ideen hat? Wie kommt er nur auf diese tollen Ideen? Welch zarte Muse ist in ihn verknallt? Ein weiteres geniales Stück ist das 10-minütige "GPS Culture", das sich allerdings eher von Yes inspirieren ließ, damit jedoch auch nicht gerade schlechten Geschmack verrät. Hier ist der Mix aus Canterbury Sound, Yes-Inspiration und Flower Kings-typischem Klang in einer britisch saloppen und dennoch hoch emotionalen Komposition aufgegangen.
"Follow Your Leaders" kommt als Titelname deprimierend falsch an. Allein, der Song ist feinster Jazzrock im Geiste Canterburys, sicher nicht von der Komplexität, für die Bands wie National Health oder Hatfield and the North standen, aber gewiss Caravan. Synthesizer und Flöte setzen der Komposition ihren Stempel auf. Wie in allen Songs der CD kommt die elektrische Gitarre etwas kurz, ausgeklügelte Gitarrensoli oder heftige Rockattacken sind eher nicht zu vernehmen, The Tangent setzt auf das symphonische Kleid in gemäßigt hartem Rock. Dafür sind etliche faszinierende Jazzmotive zu hören. Jonas Reingold am Bass, Theo Travis an Flöte und Klarinette und der Jazzgesang von Andy Tillison setzen feine Akzente.
"The sun in my eyes" ist plötzlich der Totalausfall, die Popnotiz ist von großem Übel und wäre besser niemals eingespielt worden. Der giftige Popsound verringert deutlich die Lust am Hören, da ist Missmut angesagt; was soll dieser Mist?
Nach fast 4 Minuten ist der Schrott endlich vorbei und Andy Tillison, der damit Sinn für schlechten Humor gezeigt hat, kehrt zu qualitativer Musik zurück. Der abschließende Titeltrack zeigt The Tangent wieder von der besten Seite, die Band gibt noch einmal alles. Das schöne und flauschige Thema im Geiste der Flower Kings setzt stark auf Bass und Schlagzeug; die beiden erprobten Flower Kings Musiker, wenn im Fall von Jaime Salazar auch in Ex-Mitgliedschaft, könnten stundenlang musizieren. Dazu spielt Tillison perlendes Piano, das nicht kitschig, sondern anmutig klingt. Dann wechselt er zum Synthesizer und seine Improvisation wird deutlich jazziger, bis sich das Saxophon des Motivs annimmt und ein leidenschaftliches Solo zelebriert, das die Progwelt hinreißen wird. Exquisit! Dem schließt sich ein emotionales Gitarrensolo an - die ersten 9 Minuten des Songs sind pures Glück. Schließlich bricht die Energie ein, um von Jaime Salazar mit kraftvollen Schlägen wieder geweckt zu werden. Ein kurzes, nettes Übergangsthema bringt den langen Track wieder auf Vordermann, bis sich ein ausgedehntes Motiv anschließt, das nicht unbedingt überzeugt und auf altbekannten Jazzfunk a la Brian Auger setzt, bald aber wieder progressive und gewählt exzellente Auflösung findet, woraufhin die Gitarre zu einem zwar kurzen, aber melodisch hinreißenden Solo ansetzt. Warum gibt es nicht mehr davon? Kaum hat Andy Tillison dem Gitarrensolo ein paar Sekunden zugehört, drückt er seinen Synthesizer darüber und würgt das Gitarrensolo ab, das ist unfein! Dennoch, auch dieser Track mit seinem genüsslichen Canterbury- (oder besser Caravan-) Hang ist toll gelungen. Als 18-Minüter inklusive langem und ausgefeilt schrägem Gitarrensolo hätte der Positiv-Button noch ein paar Rillen höher gehangen.
Die Special Edition mit wunderschönem Booklet enthält weitere Songs, die zur selben Zeit eingespielt wurden, wie die Tracks der neuen CD. Die Bonus CD (47 Minuten!) ist in drei Parts unterteilt. In Parts One sind ein Demo, das sehr guten Sound hat und zwei weitere neue, tolle Tracks zu hören, in Parts Two die 9-minütige Extended Version von "The Sun In My Eyes", die mehr nach Funkrock klingt, ein Tanzstück, na ja, ok, Tillison sei verziehen!
In Part Three das traumhaft schöne "Grooving On Mars", live in Karlsruhe aufgenommen, das mich stark an Circus Brimstone erinnert oder an die Flower Kings live überhaupt, sowie "Kartoffelsalat im Unterseeboot", eine 13-minütige symphonische Ambient-Note, die mit der Zeit elektronischer wird und die Inspiration bei Klaus Schulze eingeholt hat.
Empfehlung für ein sehr gutes Album mit Schatten.
"MOSES" von http://www.musik.terrorverlag.de
Artist: THE TANGENT
Title: A Place in the Queue
Homepage: THE TANGENT
Label: INSIDE OUT MUSIC
vorhergehend

Auch im Ultra-Progrock-Bereich scheint es einen derben Überfluss an Kreativität und Zeit zu geben. Gerade die FLOWER KINGS-Musikanten hauen momentan ein Album nach dem Anderen heraus, mit ihren unzähligen Projekten und Beteiligungen. Verwunderlicherweise handelt es sich jedes Mal um musikalische Wundertüten, welche allerdings vollkommen abseits von MTViva und einschlägigen Discos stattfinden.
So beginnt denn das dritte Album von THE TANGENT mal gleich mit dem 20-Minüter "In Earnest"! Der Titeltrack zum Abschluss bringt es gar auf über 25 Minuten, es sollte also jedem klar sein, dass er es hier keinesfalls mit neumodernen Sounds zu tun hat. 70er Progrock allerhöchster Güteklasse bietet die Schweden/ England-Kombination auf exakt 79 Minuten, Namen wie YES oder GENESIS fallen zwangsläufig, und deren Einflüsse will Bandkopf Andy Tillson auch gar nicht verleugnen. Aber der Sound ist durch die involvierten Musiker natürlich wesentlich vielschichtiger. Mehrere Sänger und zusätzlich eingebundene Instrumente wie Orgel, Saxophon, Mandoline, Flöte oder Klarinette sorgen für ein Höchstmass an Abwechslung und fordern dem Hörer einiges an Konzentration ab, um alle Facetten zu erhaschen. Mit Bassist Jonas Reingold ist nur noch einer von drei FLOWER KINGS-Musikern übrig geblieben. FK-Gitarrist Roine Stolt meinte sich in zu viele Projekte zu verzetteln (Ach!), dafür brachte Jonas den Gitarristen Krister Jonsson von seiner Band KARMAKANIC mit. Und am Schlagzeug sitzt nun ex-FK-Trommler Jaime Salazar. Dem zeitgenössisch-klassischen Einstieg in den Opener "In Earnest" folgt ein an frühe DEEP PURPLE erinnernder Part, dem ein verspielter Keyboard-Teil folgt. Hier werden die obskursten Sounds aus den einzelnen Instrumenten hervorgezaubert, wem DREAM THEATER schon zu verspielt und proggig zu Werke gehen, der wird hier bereits nach einem Viertel des Songs Knoten in den Ohren haben! Nichts für Liebhaber straighter Sachen. Flotter zu geht es dagegen bei Teilen von "Follow your Leaders" (welches es aber auch auf neuneinhalb Minuten bringt) und dem darauffolgenden "The Sun in my Eyes", welches man ob des coolen 70er-Discofeaver-Hit-Potenzials und einer Spielzeit von unter 4 Minuten schon fast als Single auskoppeln könnte. Der Titeltrack "A Place in the Queue" proggt den geneigten Hörer dann noch mal fulminant ins Nirvana.
Wem das noch nicht reicht, der sollte sich schleunigst die Digipack-Edition zulegen. Dort gibt es noch eine zweite CD mit 6 weiteren Tracks aus den "Queue"-Sessions, die nur nicht in das Konzept des Albums passten! Mehr geht nicht...
MOSES